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10.08.2025
Zelten mit ohne Porsche
Mit meinem Porschelchen zelten, fuhr ich gern, schrieb darüber ja in „Tacho-Man“ ausführlich, großformatige Fotos erschienen davon in Zeitungen, ein Filmchen zeigt es bei Youtube. Das ist lange her.
Seitdem lagen Innen- und Überzelt samt Gestänge und Heringen locker verpackt in einer Plastiktüte. Bis diesen Sommer.
„Wir wollen am Wochenende auf der Koppel zelten. Haste Lust?“. Hatte ich. Und ging ins Risiko. Denn ich packte die Plastiktüte mit dem Zelt, ohne den Inhalt zu besehen, ins Auto, schnappte mir Luftbett und Schlafsack, beide ebenfalls aus der Porschezeit, aber immerhin noch letztes Jahr auf dem Boot in Benutzung – und fuhr los. Zelten. Auf eine Pferdekoppel.
Unter den neugierigen Blick nebenan wohnender Rinder holte ich aus der Plastiktüte viel braunschwarzen Stoff. Oder sagt man Gewebe? Die Aufbauroutine war schnell wieder präsent und nach kaum fünf Minuten stand mein Zeltchen stramm und wohnlich auf der grünen Wiese. Fast so neu wie vor 16 Jahren, als ich beim Outdoor-Ausrüster Camp4 in der Berliner Karl-Marx-Allee ins dort vom Verkäufer aufgebaute Iglu-Heim erst hinein- und dann wieder herauskrabbelte. Was ich später nicht nur auf Zeltplätzen wiederholte, sondern auch bei den Lesungen im Stuttgarter Porsche-Museum und einem halben Dutzend Porsche-Autohäusern. Das Zelt stand als Deko neben dem Auto auf der Bühne. In der Pause schlüpfte ich unauffällig hinein, als Einleitung zum zweiten Lesungsteil startete ich aus dem Zelt heraus oben erwähnten Film und als der endete, kam ich zur Überraschung aller aus dem Zelt wie das Kaninchen aus dem Zylinder.
Zelten bedeutet Grillen. Sowohl das mit Holzkohle und Würstchen, als auch die zirpenden Hüpfinsekten. Dazu Lagerfeuer und Sternenhimmel. Reißverschlusssirren. Undefinierbare Geräusche in der Dunkelheit und Stille. Ich schlief herrlich auf der Koppel. Besser als daheim und beschloss, den alljährlichen Urlaub allein würde ich diesmal nicht auf dem Wasser verbringen, sondern im Yellowstone II, meinem Zeltchen.
Und so baute ich wenige Tage später meinen mobilen Hausstand in Kiel auf und ab. Dann im Nirgendwo am Mittellandkanal, in Köln… Spontan, unabhängig, selbstbestimmt.
Geht das nicht auch mit Wohnmobil, aber viel bequemer? Jein. Das weiß ich von meiner Camper-Tour durch Deutschland vor vier Jahren (auch darüber schrieb ich ja ein Buch, Filmchen bei Youtube). Wohnmobil bedeutet schwerfällig sein, Parkplatzsuche in Innenstädten, seine Urlaubsart vor sich hertragen.
Mein Zeltchen, Bett, Grill und Essen passen in einen Kompakt-PKW. Wenn ich gut packe, sogar komplett in den Kofferraum. Keine Anstoßangst in Parkhäusern. Wenn nötig, lässt sich mit 200 über die Autobahn sausen und wenn nicht nötig, ist gemächliches Landstraßenmäandern möglich. Aus freien Stücken. Trecker und LKW überhole ich ohne Stress und Schweißperlen.
Und warum Urlaub allein? Mit Familie zu verreisen, macht zweifellos Freude. Aber andere. Es erfordert Abstimmung, Kompromiss und Kommunikation. Mache ich gern. Doch meine Akkus als Autor laden sich am besten auf ohne all das. Beim Unterwegssein mit viel Stille und Introversion. Und mit sehr viel mehr Aufmerksamkeit für die Merkwürdigkeiten des Drumherums. Andere Menschen zum Beispiel. Oder Hühner. Außerdem sang ich mit Landfrauen überm Kuhstall.
Dazu übermorgen mehr…
ADMIN - 21:01:11 @ Buch, Autorenleben, Neulich | Kommentar hinzufügen
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