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Texte übers Schreiben. Über Pferde, Menschen, Medien und "Is' mir neulich passiert".
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06.08.2025

Die Comedy-Beerdigung

Smiley.jpgRenate Coch lernte ich erst auf ihrer Beerdigung richtig kennen. Wir unterrichteten das Gleiche, wenn auch nicht das Selbe. 

Das erste Mal hörte ich von der Comedienne, Dozentin und studierten Psychologin, als einer meiner Seminarteilnehmer sagte, er wäre schon „bei Renate“ gewesen. Bei ihr wäre das Ziel ja mehr der lustige Bühnenauftritt. Bei mir ist es das Schreiben humorvoller Text aller Art. Sie lehrte das Humorhandwerk in Köln, ich vor allem in Berlin. Im Laufe der Jahre, kamen immer wieder Menschen zu mir, die schon bei ihr waren. Und so ergänzten wir uns mehr, als das wir konkurrierten. Wir nahmen uns bald sozial-medial wahr. Likten einander. Ich empfahl sie, wenn es um Ausbau von Bühnenfertigkeiten ging. Dann las ich Renate Coch sei verstorben.

Ich hinterließ einige Zeilen auf ihrer Kondolenzseite und erhielt ein paar Tage später die Einladung zu ihrer Beisetzung. Viele wollen andere zum Lachen bringen. Wenige zeigen, wie das geht. Renate war eine von diesen. Von uns.  

Nach Regen in der Nacht schien nun, am Beisetzungsmorgen, die Sonne. Schon auf dem Parkplatz des Kölner Nordfriedhofs war zu erkennen, wer zu Trauergesellschaft gehört. Es waren die in den bunten Sommerkleidern, mit den Luftballons. Gäste in schwarz hatte Renate sich verbeten.
Vor der Trauerhalle liebevolle Umarmungen und scheues Beschauen. Familie, Freunde und viele, die ihre Seminare besucht hatten. Die im Wortsinne bunte Mischung Menschen wurde kommentiert mit: „Das hätte Renate gefallen.“

In der Trauerhalle zwei Reden. Vom besten Freund, vom Lebensgefährten. Beide um Heiterkeit bemüht. Wir lachten. Manche weinten. Beim auf Renates Wunsch gespielten schwülstigen Italo-Pop, den sie, wie ich jetzt lernte, liebte, flossen noch mehr Tränen. Wir weinen bei Beerdigungen nicht nur um die Gegangenen. Wir weinen auch, weil uns bewusst wird, wir werden folgen. 

Auf dem Weg zur Grabstätte ein erstes Gespräch. Über das Vogelkonzert in den Baumkronen über unseren Köpfen. „Das hätte Renate gefallen.“
Und sicher auch, der orangefarbene Smiley, den ich auf mein weißes Hemd geklebt bekam. „Original-Aufkleber von Renate“. Sie teilte sie in ihren Seminaren aus. 

Ihr Grab an einem Baum. Weitere heitere Worte. Neben der Schale mit Erde zum hineinschaufeln, ein Korb voller bunter Blüten. Die fielen, da leicht, oft nicht senkrecht hinab. Mit jedem Wurf wurde der farbenfrohe Ring um die kleine Grube größer. Immer wieder Lachen. Und ein auf seinen Schaufelstiel gestützter Friedhofsangestellter, der vieles schon gesehen hatte. Das sicher nicht. Schon gar nicht eine spontane Comedy-Performance. Laut, mit händeweise fliegenden Blüten und Erde-Weitwurf. Schmerzend peinlich und deswegen lustig. „Das hätte Renate gefallen“.
Bei peinlich beginnt ja erst der Spaß. 

Ein letzter Blick auf Renates Baum. Dann: Wer kann wen mitnehmen? Zum Restaurant der Galopprennbahn. Viel braunes Holz, geschnitzte Pferde und dank offener Seitenwände luftig. Zwei lange Tafeln füllten sich. Die letzte Anspannung fiel. Man schwatzte nun. Tauschte sich übereinander aus. Und natürlich über Renate, die aus Thüringen stammte, in Cottbus ein Kabarettfestival mit aufbaute und vor allem in Köln mit ihrem Comedy-Institut zur festen Größe in der Branche wurde. Einen Menschen lernt man auch darüber kennen, mit wem er befreundet war oder gerne arbeitete. Ich traf überaus sympathische Menschen bei Renates Trauerfeier. Wir lachten viel. 

Dann war es Zeit, wieder ins Auto zu steigen. Nach Berlin zu fahren. Der orangefarbene Smiley klebt jetzt auf der Handyhalterung. Wenn ich das Handy abnehme, sehe ich als letztes ein Lachen, bevor ich aussteige. 

Wäre doch schön, wenn auch nach unserem endgültigen Ausstieg, ein Lachen bleibt.

ADMIN - 06:49:58 @ Coaching, Autorenleben, Neulich | Kommentar hinzufügen


 
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