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30.03.2026

Gute Tränen - Kritik zu “Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke”

Trnen.jpgGute Tränen weinen wir viel zu selten. Gute Tränen fließen bei Freude beispielsweise. Oder wenn einen eine Flut aus Lob und Zuspruch überrollt. Oder die guten Tränen fließen beim Ansehen von Leid, das uns an eigenes erinnert oder ans Leid unserer Lieben, bei dem wir aber wissen, dass es nicht wahr ist, das Leid, das wir da ansehen. Nur wahrhaftig.

Gestern weinten fast alle im Kino. Jenes Weinen, welches sich nur dort weinen lässt. Mit anderen und doch allein, im Dunklen, mit starrem Blick nach vorne, wo sich zur eigenen Wirklichkeit im Klappsessel, eine zweite Wirklichkeit entrollt. Mit Menschen, die Menschen darstellen, die es nicht gibt, mit Schicksalen, dargebracht in Bildern und Worten, die, jedes einzelne, etwas bedeuten im Schicksalsbogen. Jedenfalls dann, wenn die, die sie verantworten, es gut machen.

So wie Regisseur und Drehbuchautor Simon Verhoeven unter dessen Leitung alle Beteiligten an „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ zu Höchstform auflaufen. Auf Grundlage von Literatur in Höchstform, dem gleichnamigen Buch nämlich von Joachim Meyerhoff, der darin literarisch verdichtet, seine Anfänge als Schauspielschüler erzählt, verwoben mit dem Lebensende seiner Großeltern und – im Rückblick – dem seines Bruders.

Der Trailer zum Film verhieß Groteske. Lachkino voller Fremdscham, Verzerrung und ein paar Momenten der Tiefe. Manche der über 1 Million Zuschauer seit der Premiere Ende Januar kauften vielleicht deshalb eine Kinokarte. Was sie zu sehen bekommen, ist Kino voller Tiefe mit ein paar Momenten des Lachens und Scham allenfalls, wenn man sich guter Tränen schämt.

Es zählen die gekauften Karten, niemand zählt die, die mittendrin rausgehen, weil die geweckten Erwartungen enttäuscht werden.  Gestern um 12 Uhr mittags in einem über die Hälfte besetzten 80-Plätze-Kino ging nur eine. Vielleicht auch wegen Magenverstimmung.
 
Alle anderen im Saal lachten des Öfteren und schauten zunehmend stiller diesen großartigen Film, während das Licht von der Leinwand auf ihren Gesichtern die guten Tränen glitzern ließ. 

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ADMIN - 06:25:53 @ Drehbuch, Neulich | Kommentar hinzufügen


 
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