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01.03.2026
Drehbuch-Autor mit Reiterfahrung gesucht
Vor zwei Jahren trat ich in die Fußstapfen von Helge Schneider. So könnte man den Weg zu meinem Werk, das vergangenen Freitag veröffentlicht wurde, in einem Satz zusammenfassen. Muss man aber nicht. Man könnte auch mit den Drei Fragezeichen beginnen.
Für mich begann alles bei Linkedin.
Meiner Erinnerung nach lautete der Text des LinkedIn-Posts, den ich vor genau zwei Jahren und 12 Tagen entdeckte: „Drehbuch-Autor mit Reiterfahrung gesucht“.
Aber meine Erinnerung trügt, ich habe eben nachgeschaut. Es stand in dem Posting, mit dem alles begann:
„Liebe Autoren und Autorinnen, wer von Euch liebt neben dem Schreiben von tollen Kindergeschichten auch noch wiehernde Vierbeiner? Wir suchen leidenschaftliche Reiterfreunde und Pferdefans unter den Dramaturgen. Bei Interesse gern per Nachricht hier melden. Yihaa!“
Verfasst hatte ihn die Geschäftsführerin des größten deutschen Anbieters und Produzenten von Kindermedien.
Ich schrieb ihr per LinkedIn einen Dreizeiler: „Liebe…, ich bin Drehbuch-Autor (u.a. 30 Bücher für Löwenzahn, Löwenzähnchen und die Sesamstraße). Außerdem reite ich. Wenn Sie wollen: 01…“
Sie meldete sich mit einem Einzeiler zurück, in dem sie einen Anruf in der folgenden Woche ankündigte. Der erfolgte nicht.
Kann vorkommen. Geschäfte führende Führungskräfte haben viel zu tun. Im Schreibgeschäft kommt es nicht nur auf Können an, sondern auch auf warten können.
Exakt 40 Tage später befand ich mich mit zwei befreundeten Kindern auf dem Weg zu einem Spielplatz, als mein Telefon läutete. Es war die Geschäftsführerin. Dass sie später als angekündigt anrief, war sehr gut, denn dadurch wurde, was ich ihr in Dreizeilen mitgeteilt hatte, noch wahrer.
Dass ich zu diesem Zeitpunkt dreißig Drehbücher für Kinder geschrieben hatte, stimmte. Dazu kamen viele weitere für Erwachsene.
Ebenfalls stimmte, dass ich ritt. Allerdings zum Zeitpunkt meines LinkedIn-Dreizeilers erst vier Monate und das noch ohne gezielten Unterricht, wenngleich ich viel Zeit mit Pferden verbrachte.
So oder so, dank des leicht verspäten Rückrufs konnte ich nun schon einen Monat mehr Pferdeerfahrung vorweisen.
Wir hatten nach dem Telefonat beiderseitig einen guten Eindruck voneinander. Ich schickte Arbeitsproben. Und als es zum ersten persönlichen Treffen kam, ritt ich schon ein halbes Jahr.
Gesucht wurde ein Autor für eine Audio-Serie, die aus einem Druckerzeugnis für Mädchen von 7 bis 11 Jahren hervor gegangen war. Diese Zeitschrift erschien erstmals 1986, drei Jahre später ergänzt durch Hörspiele. Zudem suchte die Firma einen Autor für anderes Serien-Projekt. Aber darum geht es ein anderes Mal.
Jetzt geht es darum, was Helge Schneider mit dem Pferde-Projekt zu tun hat.
Helge Schneiders erstes Theaterstück (Co-Autorin Andrea Schumacher), ist mein erster bewusster Berührungspunkt mit der Serienwelt, für die ich vor zwei Jahren angefragt wurde. Die Zeitschrift, auf der die Audio-Serie basiert, hatte ich davor sicherlich schon in Zeitschriftenläden gesehen.
Aber Schneiders Auftragsarbeit für das Schauspielhaus Bochum hat sich mir vor allem ob des Titels eingebrannt. Im April 2003 hatte das Stück Premiere unter dem Titel: „Mendy – Das Wusical“.
Ich sah das schneidertypisch abstruse Stück nie, weil ich nach viereinhalb Jahren Studium an der Bochumer Uni bereits wieder nach Berlin zurückgekehrt war, während meine Magisterarbeit über die Harald-Schmidt-Show noch begutachtet wurde.
Ich schweife ab. Gleichwohl ist Schweif das passende Stichwort, denn spätestens jetzt ahnt wohl jeder, worum es geht. Nämlich um „Wendy“, die Pferdemädchen-Hörspiel-Serie.
Wendy Thorsteeg heißt die (ewig) 15-jährige Hauptfigur. Sie lebt auf einem Reiterhof in Schleswig-Holstein. Erst war es der Lindenhof. Dann brannte der ab. Seitdem spielen die Abenteuer rund um Pferde, Reitwettbewerbe und das ein oder andere Verbrechen auf dem Reiterhof Rosenborg. Ich suchte mir für meine erste Folge ein Thema, das unter jungen Reiterinnen höchst umstritten ist und noch nie vorkam bei „Wendy“.
Interessanterweise kam auch Wendy nicht von Anfang vor, bzw. stand nicht im Mittelpunkt, sondern trat erst ab 1991 verstärkt in den Comics auf, bis sie ab Ende ῾95 ganz zum Nukleus der gedruckten Geschichten wurde.
Die ersten 22 Wendy-Hörspiel-Folgen entstanden unter der Leitung der legendären Drei-Fragezeichen/TKKG-Regisseurin/-Produzentin Heidekine Körting. Im März 1994 gab es einen Neustart mit neuen Sprechern, die zum Teil bis heute aktiv sind.
Meine erste Storyline reichte ich im Juni 2024 ein. Das finale Buch war im September geschrieben und abgenommen. Und seit Oktober, ein Jahr nachdem ich meine ersten Runden als Erwachsener auf einem Reitplatz drehte, sitze ich jede Woche im Sattel und fühle mich als richtiger Reiter. Obgleich Reiten ein lebenslanger Lernprozess bleibt.
Im Januar 2025 hatte ich die Freude bei den Aufnahmen meiner ersten Wendy-Folge dabei zu sein. Und während gerade bei allen Streamern, Buchhandelsplattformen und im KIDDINX-Shop meine erste Folge erschienen ist, schreibe ich das Buch für mein inzwischen drittes Wendy-Hörspiel.
Aber heute erst mal: „Hobby Horsing auf Rosenborg“: Wendy irrt sich schrecklich, zwei Geschwister kommen in ein Unwetter und Wendy findet heraus, wofür sich Steckenpferde noch verwenden lassen.
Hört mal rein!
Zum Download auf allen Audio- und Buchhandelsplattformen und auch hier.
ADMIN - 08:17:55 @ Drehbuch, Autorenleben, Pferde | Kommentar hinzufügen
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Letzte 1 Kommentare
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Lustig, das mit den unterschiedlichen Umarmungen von Männer und Frauen ist mir …
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