Mehr Erfolg mit Humor
 

liesmichmal.de

Texte übers Schreiben. Über Pferde, Menschen, Medien und "Is' mir neulich passiert".
Kommentare, Ergänzungen und Widerspruch sind willkommen. 

25.02.2026

Bitte nehmen Sie Platz. Aber nicht da.

Gertw2.jpgGestern blieb ich mit meiner Hose hängen und landete auf dem Hintern. Aber nicht auf meinem.

Viele Sportarten und Hobbys verlangen spezielle Kleidung. Das weiß, wer schwimmt, golft oder joggt. Manche Kleidung soll oder muss eng sitzen, manche weit. Zum Beispiel beim Judo.
Beim Reiten ist das wichtigste der Helm. Das wussten Cowboys und Indianer noch nicht. Und heutige Westernreiter lachen da oft drüber. Aber die mit Helm lachen noch öfter zuletzt.

Handschuhe schützen vor reibenden Zügeln, die sonst auf Dauer die Streichelzartheit der Hände beeinträchtigen würden. Noch wichtiger wäre meines Erachtens, Handschuhe zu tragen, wenn man nicht mehr beim Pferd weilt, da man durchs Pferdputzen und Kraulen ständig dreckige Fingernägel hat.

Dann wären da noch die Stiefel bzw. Boots, die eine profillose Sohle haben müssen, damit der Reiter gut in die und aus den Steigbügeln rutschen kann, idealerweise selbstbestimmt. Gleichzeitig muss ein Absatz vorhanden sein, der das Durchrutschen verhindert und beim Hilfen geben am Pferdebauch klarere Signale gibt.
Wer Boots trägt, also Schuhe ohne langen Schaft, braucht Chaps, Lederstulpen mit Reißverschluss und Knopfschließe, die den Schaft nachahmen und für ein glattes und ansehnliches Unterbein sorgen, zudem würde die Hose beim Sitzen auf dem Pferd hochrutschen und offenbaren, dass der Reiter Ringelsocken trägt. Oder behaarte Beine hat.

Und damit wären wir bei den Hosen. Jenem Kleidungsstück, das mich gestern auf einem fremden Gesäß Platz nehmen ließ.
Während wie gesagt bei anderen Sport- und Freizeitaktivitäten Kleidungsstücke entweder eng oder weit sind, ist eine Reithose beides.
Eng am Bein für eine gute Verbindung zum Pferd und damit nichts reibt. Aus gleichen Gründen sollte das Beinkleid auch am Gesäß eng sitzen. Infolgedessen kann eine Reithose, ob ihrer körperformfolgenden Eigenschaften, Träger oder Trägerin besondere Attraktivität verleihen. Kann.

Trotz straffen Umspannens des Gesäßes muss eine Reithose gleichzeitig selbigem viel Raum bieten, weil Reiten ja überwiegend im Sitzen, noch dazu im breitbeinigen, stattfindet, das macht das Gesäß größer.
Deswegen ist in Reithosen viel Erdöl in Form von Elasthan verarbeitet. Meine hat, wie die meisten, zusätzlich an den Schenkelinnenseiten und im Gesäßunterbereich einen Wildledereinsatz, der das Rutschen im Sattel mindert. Leider hält sich die Elastizität von Leder in engen Grenzen und es zieht sich nicht zusammen, wenn der Körperdruck von innen nachlässt. Somit entsteht in einigen wenigen Körperhaltungen eine leicht unansehnliche sackartige Ausstülpung am Reiterpo.
Die wurde mir gestern zum Verhängnis.

Ich bin zwar schlank, aber durch meine Länge kommt ein gewisses Gewicht zustande. Gewicht plus Länge bedingen, dass ich das höchste und schwerste Pferd im Stall reite. Das Pferd Gert. 

Damit ich hinaufkomme, benutze ich eine Aufstiegshilfe. In diesem Falle eine, die sich aus der Bande der Reithalle klappen lässt.
Ich klappte sie aus. Und positionierte Gert entsprechend seitwärts davor. Das klappte auch. Sogar schon beim dritten Versuch. Gert ist brav, aber eigensinnig und justiert beim Einparken gelegentlich kontraproduktiv nach.

Normalerweise hält jemand auf der anderen Seite am Sattel gegen, damit der nicht durch die kurzzeitige einseitige Belastung beim Aufsteigen einseitig verrutscht. Gestern waren alle Helferinnen (ich bin der einzige Mann auf dem Hof) beschäftigt, so dass ich alleine aufstieg.
Und zwar von rechts.

Das ist falsch. Aber Gert lässt nur von rechts aufsteigen. Links mag er nicht. Eigensinnig eben. Aber brav.
Und wie ich mich geradeso gertgerecht in den Sattel schwingen will, macht Gert eine kontraproduktive Bewegung, nämlich einen Schritt nach vorn, wodurch sich der Sattel unter mir ebenfalls ein Stück nach vorne bewegt, da dieser ja mittels Bauchgurt fest mit dem Pferd verbunden ist.

Und so landete ich mit meinem auf Gerts Gesäß. In der Fachsprache auch Kruppe genannt. Andere Pferde wären aufgrund dieser ungewohnten Reiter-Ross-Berührung durchgegangen oder gestiegen. Gert nicht. Gert marschierte nur los. Im Schritt. Zum Aufwärmen. Wie immer. Nur, dass ich, im Unterschied zu immer, statt beiden einen Fuß im Steigbügel hatte und auf seiner Kruppe saß.

Mit einer kurzen Beinstreckung bei gleichzeitigem Hochstemmen mit der Hand auf dem Sattel hätte ich mich über den Sattelkranz heben können.
Aber ich befand mich offenbar in einer der wenigen Körperhaltungen, in denen die Reithose sich sackartig ausstülpt. Das vereitelte jedem Versuch den Sattelkranz zu überwinden. Ich blieb jedes Mal hängen. Gert marschierte von meinem Gehampel unbeeindruckt durch die Reithalle.

Meine missliche Lage fiel zunehmend auf, man war gespannt, wie ich sie wohl meistern würde. Besonders spannend machte die Angelegenheit, dass es mit Gerts Ruhe vorbei ist, kommen ihm Missy, Shakira oder irgendeine andere Stute zu nahe.

Nicht wegen Begattungsdrang, Gert ist ein Wallach, sondern weil er gerne mal hinten austritt oder die Pferdedamen in den Po zwickt, was diese wiederum mit Ausschlagen beantworten. Pferde sind recht rabiat untereinander und Gert ist nur gegenüber Menschen brav.
Normalerweise habe ich Gert im Griff. Aber dann sitze ich auch im Sattel und nicht dahinter.

Wir hatten schon die halbe Halle durchschritten, da kam mir eine Menschendame zu Hilfe, hielt Gert fest und keine sechs Anläufe später schaffte ich es, in den Sattel zu gelangen.

Eben las ich etwas über Nacktreiter. Die können nicht mit der Hose hängen bleiben.
Aber dafür…
Nein, es genügt, dass Gert ein Wallach ist.

ADMIN - 06:54:16 @ Pferde, Neulich | Kommentar hinzufügen


 
E-Mail
Anruf
Infos
Instagram